Ist recyceltes Polyester wirklich nachhaltig?

nachhaltige Textilien

Recyceltes Polyester gilt in der Mode- und Textilindustrie häufig als nachhaltige Alternative zu herkömmlichem Polyester. Statt neues Polyester aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl herzustellen, werden bereits vorhandene Kunststoffe erneut genutzt. Das klingt zunächst überzeugend: Kunststoffabfälle erhalten ein zweites Leben, der Bedarf an neuem Rohmaterial kann sinken und vorhandene Ressourcen werden länger genutzt.

Ganz so einfach ist die Bewertung jedoch nicht. Nach aktuellen Zahlen von Textile Exchange stammen rund 98 % des recycelten Polyesters aus PET-Flaschen und nicht aus gebrauchten Textilien. Gleichzeitig liegt der Anteil von Fasern aus recycelten Alttextilien am weltweiten Fasermarkt weiterhin unter einem Prozent.

Recyceltes Polyester kann daher eine sinnvolle Alternative zu neu produziertem Polyester sein. Eine vollständig kreislauffähige oder grundsätzlich nachhaltige Faser ist es deshalb aber noch nicht. Für Corporate Fashion sollte die Materialentscheidung immer vom Einsatzzweck, der gewünschten Langlebigkeit und den funktionalen Anforderungen abhängen.

Inhaltsverzeichnis

Ist recyceltes Polyester wirklich nachhaltig?

Polyester ist Polyethylenterephthalat, kurz PET, und gehört zu den synthetischen Kunstfasern. Herkömmliches Polyester basiert auf fossilen Rohstoffen. Recycelter Polyester dagegen nutzt bereits vorhandenes Material. Das vermindert die Notwendigkeit, ausschließlich neue fossile Rohstoffe für die Faserproduktion einzusetzen. Textile Exchange sieht den Wechsel von neuem fossilem Polyester zu Recyclingmaterial deshalb als einen wichtigen Ansatz.

Allerdings bleibt rPET ein Kunststoff. Polyester ist nicht biologisch abbaubar und beim Waschen synthetischer Textilien können Mikrofasern freigesetzt werden. Die Europäische Umweltagentur nennt das Tragen und Waschen synthetischer Textilien als eine Quelle von Mikroplastik. Schätzungsweise 200.000 bis 500.000 Tonnen Mikroplastik aus Textilien gelangen jährlich in die globale Meeresumwelt.

„Recycelt“ sollte deshalb nicht automatisch mit „nachhaltig“ gleichgesetzt werden. Entscheidend ist vielmehr, welche Alternative für das jeweilige Kleidungsstück zur Verfügung steht.

 

Recycling: Wie aus einer PET-Flasche recycelter Polyester wird

Bei der Produktion von recyceltem Polyester kommt heute überwiegend mechanisches Recycling zum Einsatz. Vereinfacht dargestellt werden gebrauchte PET-Produkte gesammelt, sortiert, gereinigt, zerkleinert und eingeschmolzen. Aus dem aufbereiteten Kunststoff können anschließend neue Polyesterfasern gesponnen werden. Daneben existieren chemische Recyclingverfahren, deren Bedeutung zukünftig steigen könnte.

Das entscheidende Problem liegt aus unserer Sicht an anderer Stelle: Eine PET-Flasche, die zu einem Kleidungsstück verarbeitet wird, wechselt den Produktkreislauf. Wirklich zirkulär würde die Textilindustrie vor allem dann, wenn aus gebrauchten Polyestertextilien wieder neue Textilien hergestellt werden.

Davon ist der Markt bislang weit entfernt. Nach Angaben von Textile Exchange stammen weniger als 1 % der weltweit produzierten Fasern aus recycelten Alttextilien.

Das zeigt: Ein zweites Leben für Kunststoff ist sinnvoll. Ein geschlossener textiler Kreislauf ist damit jedoch noch nicht erreicht.

 

Recyceltes Polyester oder Baumwolle: Was eignet sich für Kleidung besser?

Aus unserer täglichen Beratung kennen wir eine typische Anforderung: Viele Kunden wünschen sich T-Shirts und Sweats, die angenehm weich sind und gleichzeitig nach vielen Wäschen möglichst form- und farbstabil bleiben. Genau hier kann die Beimischung von Polyester funktionale Vorteile bieten. Polyester ist strapazierfähig, pflegeleicht und schnelltrocknend.

Für Unternehmen, die ihren Fokus konsequent auf Naturfasern legen möchten, empfehlen wir dagegen gerne hochwertige Bio-Baumwolle. Eine pauschale Aussage, dass jede Naturfaser in jeder Anwendung automatisch nachhaltiger ist, wäre allerdings zu einfach. Rohstoffgewinnung, Verarbeitung, Färbung, Transport, Lebensdauer und tatsächliche Nutzung müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Unsere Empfehlung lautet deshalb: Material nach Einsatzzweck auswählen und Polyester nicht allein deshalb einsetzen, weil auf dem Etikett „recycelt“ steht. Bei T-Shirts und Sweats lohnt es sich insbesondere, die gewünschte Haptik und Farbbeständigkeit gegen den Anspruch an eine möglichst naturfaserbasierte Kollektion abzuwägen.

 

Welche Vorteile bietet recyceltes Polyester gegenüber neuem Polyester?

Wenn funktionale Anforderungen Polyester notwendig machen, ist recyceltes Polyester grundsätzlich interessanter als neu produziertes, fossiles Polyester. Bereits vorhandener Kunststoff wird erneut als Rohstoff verwendet, statt ausschließlich neues Ausgangsmaterial aus fossilen Quellen einzusetzen.

Für die Beschaffung von Corporate Fashion lassen sich die Unterschiede so einordnen:

Kriterium Neues Polyester Recyceltes Polyester Bio-Baumwolle
Rohstoff überwiegend fossil vorhandenes PET/Recyclingmaterial nachwachsender Rohstoff
Mikrofasern möglich möglich keine Kunststoff-Mikrofasern
Kreislauffähigkeit begrenzt abhängig vom Recyclingweg materialabhängig
Eigenschaften robust, pflegeleicht robust, pflegeleicht angenehm, atmungsaktiv
Einsatz funktionale Kleidung funktionale Kleidung mit Recyclinganteil viele Shirts, Sweats und Basics

Für Unternehmen sollte deshalb nicht allein der Fasername entscheiden. Entscheidend ist, welche Eigenschaften das Kleidungsstück im Arbeitsalltag tatsächlich benötigt und wie lange es genutzt werden kann.

Kreislaufwirtschaft recyceltes Polyester

Vom Meer zum Shirt? Woher recycelter Polyester tatsächlich kommt

Bilder von Plastikmüll im Meer vermitteln schnell den Eindruck, recycelte Polyesterkleidung würde hauptsächlich Abfälle aus den Ozeanen beseitigen. Die tatsächlichen Materialströme sehen anders aus. Laut Textile Exchange basieren aktuell rund 98 % des recycelten Polyesters auf PET-Flaschen.

Das ist ein wichtiger Unterschied. PET-Flaschen verfügen bereits über etablierte Recyclingströme und können wieder zu Flaschen verarbeitet werden. Werden sie stattdessen zu Textilien verarbeitet, entsteht daraus nicht automatisch ein geschlossener textiler Kreislauf.

Gleichzeitig bleibt das Thema Mikroplastik relevant. Eine wissenschaftliche Untersuchung von 2024 bestätigt, dass beim Waschen synthetischer Textilien Mikroplastikfasern freigesetzt werden. In dieser Untersuchung setzte recyceltes Polyester sogar mehr Mikrofasern frei als das untersuchte neue Polyester.

Deshalb sollte die Aussage „aus Plastikmüll hergestellt“ bei der Beschaffung nicht das einzige Nachhaltigkeitskriterium sein. Herkunft, Verarbeitung, Langlebigkeit und spätere Recyclingmöglichkeiten gehören ebenfalls in die Bewertung.

 

Ein zweites Leben für Kunststoff – aber was passiert danach?

Recycling ist sinnvoll, wenn vorhandene Materialien möglichst lange im Kreislauf bleiben. Genau deshalb sehen wir recyceltes Polyester differenziert. Aus Kunststoffabfällen ein nutzbares Material herzustellen, kann sinnvoller sein, als ausschließlich neues Polyester aus fossilen Rohstoffen zu produzieren. Entscheidend ist aber, was nach diesem zweiten Leben passiert.

Besonders Mischgewebe können das spätere Recycling erschweren. Baumwolle und Polyester erfüllen gemeinsam zwar funktionale Anforderungen, müssen für hochwertiges Faser-zu-Faser-Recycling jedoch wieder getrennt werden können.

Für langlebige Corporate Fashion empfehlen wir daher, bereits bei der Entwicklung vier Fragen zu stellen:

  • Brauchen wir für diese Funktion überhaupt Polyester?
  • Gibt es eine geeignete Lösung aus Naturfasern?
  • Wenn Polyester erforderlich ist: Ist zertifiziertes Recyclingmaterial verfügbar?
  • Wie langlebig und tatsächlich recyclingfähig ist das fertige Kleidungsstück?

Auch unsere Firmen-Hoodies aus Baumwolle und Mischgewebe zeigen, wie unterschiedlich die Materialanforderungen bei Corporate Fashion sein können.

 

GRS: Wie lässt sich recyceltes Polyester nachweisen?

Unternehmen sollten sich bei recycelten Textilien nicht allein auf Produktbeschreibungen verlassen. Der Global Recycled Standard, kurz GRS, ermöglicht eine unabhängige Überprüfung von Recyclingmaterial und dessen Weg durch die Lieferkette. Zusätzlich umfasst der Standard Anforderungen an soziale und ökologische Kriterien sowie Einschränkungen beim Chemikalieneinsatz.

Wir selbst sind GRS-zertifiziert und können Unternehmen entsprechend zertifizierte Textilien anbieten. Für Naturfasern arbeiten wir außerdem mit GOTS-zertifizierten Produkten. Damit lässt sich die Materialentscheidung wesentlich transparenter dokumentieren als mit allgemeinen Begriffen wie „eco“, „green“ oder „aus Recyclingmaterial“.

Weiterführende Quellen sind der Materials Market Report von Textile Exchange, die Informationen der Europäischen Umweltagentur zu Mikroplastik aus Textilien sowie die Informationen von Textile Exchange zum Global Recycled Standard.

 

FAQs zu recyceltem Polyester

Ist recyceltes Polyester nachhaltig?

Im Vergleich zu neuem fossilem Polyester bietet Recycling Vorteile, weil bereits vorhandenes Material erneut genutzt wird. Vollständig nachhaltig ist rPET deshalb nicht. Es bleibt ein synthetischer Kunststoff und kann beim Waschen Mikrofasern freisetzen.

Ist recyceltes Polyester besser als Baumwolle?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Materialherstellung, Nutzung und Lebensdauer müssen gemeinsam betrachtet werden. Für naturfaserorientierte T-Shirts und Sweats bevorzugen wir hochwertige Bio-Baumwolle. Für bestimmte funktionale Anforderungen kann recyceltes Polyester sinnvoll sein.

Ist recyceltes Polyester qualitativ schlechter?

Nicht grundsätzlich. Recyceltes Polyester kann Eigenschaften erreichen, die für langlebige und pflegeleichte Kleidungsstücke geeignet sind.

Entsteht beim Waschen von recyceltem Polyester Mikroplastik?

Ja. Auch recyceltes Polyester ist eine synthetische Faser. Beim Waschen können Mikrofasern freigesetzt werden. Recycling löst dieses Problem nicht.

 

Nachhaltige Corporate Fashion beginnt mit der richtigen Materialentscheidung

Nachhaltige Mitarbeiterkleidung entsteht aus unserer Sicht nicht dadurch, dass konventionelles Polyester einfach durch eine Variante mit Recyclinglabel ersetzt wird. Entscheidend ist, welches Material für den jeweiligen Einsatzzweck wirklich benötigt wird und wie lange das Kleidungsstück genutzt werden kann.

Für T-Shirts, Polos, Hoodies oder Sweats prüfen wir deshalb gemeinsam mit unseren Kunden, ob Naturfasern beziehungsweise Bio-Baumwolle sinnvoll sind oder ob funktionale Anforderungen für einen Anteil recycelter Polyesterfasern sprechen. Dabei berücksichtigen wir auch Veredelung, Waschverhalten, Nachlieferbarkeit und Zertifizierungen.

Als GOTS- und GRS-zertifiziertes Unternehmen verbinden wir diese Materialberatung mit eigener Textildruckerei und Stickerei sowie individuellen Textilproduktionen.

Sie planen nachhaltige Corporate Fashion und möchten wissen, welches Material zu Ihrem Einsatzbereich passt? Dann sprechen Sie mit uns über Ihre Corporate Fashion. Wir beraten Sie projektbezogen zu Bio-Baumwolle, Naturfasern und zertifizierten Recyclingmaterialien.

Ähnliche Beiträge
Cookie Consent mit Real Cookie Banner